Das norwegische Nobel-Preis-Komitee hat den diesjährigen Friedensnobelpreis dem chinesischen Autor Liu Xiaobo verliehen und damit, trotz heftiger Warnungen der chinesischen Regierung, einen Dissidenten ausgezeichnet, der wegen seiner in Anspruch genommenen freien Meinungsäußerung 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Das Komitee hat sich also nicht dem Druck gebeugt, obwohl China meinte, die Preisverleihung stehe im Gegensatz zu den Grundsätzen des Nobelpreises, weil damit ein Verbrecher geehrt werde, der nach geltendem Recht verurteilt sei.
Hätte in Oslo ein ähnlicher Geist geherrscht, wie er hierzulande oder in Deutschland die Gutmenschler und politisch Korrekten, die Rosarotgrünlichen, negativ auszeichnet, wäre freilich der Preis nicht an ihn verliehen worden. Diese Korrekten verstehen, dass freie Meinungsäußerung nur dann frei sein darf, wenn sie gewissen Richtungen und Regeln entspricht.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 10.10.2010
Es ist nicht wie früher, nicht wie vor 90 oder 80 Jahren, als die Krisen zielgerichtet in die Katastrofen mündeten. Es geht uns ja nicht schlecht. Aber vielleicht ist gerade das mit ein Teil des Problems, weil fast niemand eine Gefahr sieht, weil es bei bloßen Bekundungen, seichten Appellen, kosmetischen Korrekturen, publikumswirksamen Alibiaktionen bleibt, während das mörderische, ausbeuterische, zynische Programm lückenloser, ertragreicher, unwiderstehlicher denn je durchgeführt wird.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 26.09.2010
Dieser Tage wurde bekannt, dass Oskar Pastior, gepriesener rumänisch-deutscher Autor, der 2006, kurz vor der Verleihung des Büchner-Preises an ihn verstarb, ein IM der rumänischen Securitate war. Der Münchner Wissenschaftler Stefan Sienerth hat den entsprechenden Beleg bei Recherchen in Bukarest gefunden, worüber er in einem Artikel mit dem Titel “Ich habe Angst vor unerfundenen Geschichten” (ein Satz Pastiors) in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift “Spiegelungen” (Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München – IKGS) berichtet.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 19.09.2010
Die Französische Revolution, Wiege der modernen, republikanischen Welt, war nicht nur gewalttätig und blutrünstig, sondern auch im Geistigen, Kulturellen ein Versuch des großen Reinemachens, der tabula rasa, der extremen Purification.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 29.08.2010
Frankreich deportiert Gruppen von Roma nach Rumänien und spricht von freiwilligen Rückkehren, die vom französischen Staat sogar finanziert werden. In Italien sind früher schon Roma gehetzt, gejagt, verprügelt und ermordet worden. Behelfsunterkünfte der Roma werden abgerissen, planiert. In Ungarn steigt die mörderische Gewalt gegen Roma; eine systematische, faschistische Hetze hat sich breit gemacht. Deutschland will innerhalb kurzer Zeit an die 12.000 Kosovaren, die meisten von ihnen Roma, abschieben.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 22.08.2010