Das “Festival für zeitgenössische Kunst” im Bezirk Liezen bemüht sich redlich um Tourismusförderung und Belebung der Heimat. Die “regionale 10” wartet dabei mit einem Gustostückerl auf: Der chinesische Künstler Ai Weiwei, hierzulande immer gerne als “regimekritisch” etikettiert und mit den obligaten Hinweisen versehen, wo er überall ausstellt und wie berühmt er sei, platziert einen Felsbrocken auf dem Dachstein.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 11.07.2010
Kürzlich las ich in einer großen Tageszeitung unter dem reißerischen Titel “Gebt uns unsere Kunst zurück!” über den Vorwurf, der Westen, also Europa und die USA, die wichtigen Sammler, Auktionisten und Galeristen, würden die chinesische Kunst nach ihren eigenen Maßstäben bestimmen, manipulieren. Sie sei damit ins Korsett der geschäftstüchtigen Westler gepresst, woraus sie befreit werden müsse.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl,. 27.06.2010
Mitschnitt der Lesung im IKU, Kunsthaus Graz, vom 16. Mai 2010, veranstaltet von Franz Hofer, aufgezeichnet und ausgestrahlt vom Grazer Stadtradio Helsinki
Mit Wolfgang Straßnig, Judendorf, Franz Blaha, Wien, Ruud van Weerdenburg, Graz, Johannes Wally, Graz und Haimo L. Handl, Drösing; Musik von Daniel Berger.
Das MAK, das gerne Vorreiter sein möchte, versucht’s diesmal mit einer einzigartigen Show nordkoreanischer Kunst. Da muss das Attribut “Staats-” gar nicht angeführt werden, denn in dieser totalitären Diktatur gibt es nur Staatskunst, sozialistischen Realismus als Realismus. Das heißt, als Fiktion, als propagandistische Persuasion und Beteuerung, Beweihräucherung. Ein Hofstaat, wie er sonst in so reinen Formen nirgendwo mehr existiert, aber seine Nachbarschaften und Verwandtschaften hat, weltweit, zumal das Totalitäre oder die Führerausrichtung, auch wenn’s ein Kaiser als Vaterersatz war, nur eine kurze Vergangenheit hat und seine Auswirkungen auch in Kulturen und Gesellschaften der “modernen” Welt zu spüren, zu erleiden sind.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 23.05.2010
Bis vor kurzem sagte man stolz: “Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen gut.” Seit den Raubzügen und staatlichen Umverteilungshilfen zugunsten der Reichen und Superreichen hat der Slogan etwas von seinem Charme eingebüßt. Im Kulturbereich gilt scheinbar eine entgegengesetzte Logik: Geht’s allen schlecht, geht’s der Kunst besonders gut. Einer gewissen zumindest. Kunst ist nicht l’art pour l’art, sondern Mittel und Zweck für Kunstfremdes: für Tourismus (früher “Fremdenverkehr” genannt!), für Städtebau, für Politimage und Prestige, für Politik und Weltoffenheit. Neuerdings auch als Ausweis für Sozialengagement und Multikulturalismus.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 16.05.2010