Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 13.09.2009
Das Verschwinden der Wirklichkeit war in den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts ein modisches Thema, geprägt vom post-postmodernen Denken bzw. der geschwätzigen Sprache, dessen es sich bediente. Es war die Zeit der Einübung der Relativitäten und Unverbindlichkeiten. Die Welten verschwanden zwar nicht, und nicht ihre Wirklichkeiten, wie man mediengerecht beschwor, es wurden “nur” die Verantwortungen getilgt.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 6.9.2009#
Früher, als nur wenige des Schreibens mächtig waren, erledigten professionelle Briefschreiber das Schreibgeschäft für Eingaben oder Petitionen, für Geschäftsakte oder wichtiges Privates. Später, als die Schulbildung in gewissem Masse auch die unteren Schichten lese- und schreibfähig machte, florierte diese Dienstleistung in veränderter Form von Schablonen, Vorlagen und Ratgebern für’s Briefschreiben, die stereotype Standardsätze, ja ganze Absätze, lieferten, an denen sich die Sprachohnmächtigen nicht nur orientierten, sondern sie schier bewusstlos übernahmen.
Der Titel ist eigentlich ein Pleonasmus, denn Journaille ist Schmiere. Die bewusste Verbindung soll die Betonung verstärken, weil viele heute die negative Bedeutung von Journaille vielleicht nicht mehr kennen. Die meisten Boulevardblätter sind dieser Gattung zuzurechnen, hier und anderswo. In Österreich schreibt das Schmierblatt ”Österreich” z. B.: “Zeugen Jehovas verhindern U2-Konzert. – Wien Tourismus bedauert U2-Absage.”
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 9. 8. 2009
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 26. 7. 2009
Es sind nicht primär die Namen, welche die Kommissare und ihre Kommissionen der EU den Beiklang einer EUdSSR geben, es ist der ZK-Geist, der eine überfällige Demokratisierung der Union verhindert, die Bürger mit einem Scheinparlament abspeist und in ungeahnter, zynischer Bürokratie die Nationalinteressen entsprechend den Machtgefügen einbringt und verwaltet.
Kolumne “Wort zum Sonntag”, 20. 7. 2009, von Haimo L. Handl
Der Ausspruch des epileptischen und als geistesschwach bezeichneten österreichischen Kaiser Ferdinand (1793-1875), der im Revolutionsjahr 1848, das die restaurative Epoche des Biedermeier, begonnen mit dem Wiener Kongress 1814), abschloss, zugunsten Franz Joseph 1. die Regierungsgeschäft übergab, ist zum Kernspruch einer abwehrenden, ängstlichen, unterdrückenden Zeit und ihrer Regime geworden.