Vor Kurzem wurde in Winterthur, Schweiz, ein Mann zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, weil er in einem Inserat eine Mutter mit ihrer Tochter zur Schlachtung feilgeboten hat; 39 Interessierte hatten sich gemeldet. Die Sexologin Christa Gubler wundert sich, dass nicht mehr Interesse zeigten. Die Empörung ist groß.
Kolumne “Wort zum Sonntag”, Haimo L. Handl, 13. 5. 2012
Vergeuden ist nicht per se negativ. Unter gewissen Umständen kann es eine hohe Qualität sein, dass man sich selbst oder etwas Anderes vergeudet oder vergeuden kann. Die Qualität, vor allem die übliche negative, rührt von den Verhältnissen, dem Maß, den Auswirkungen her. Ressourcenvergeudung kann rasch zu dauernden oder nachhaltigen bzw. irreparablen Schäden führen. Verschwendungshaltungen sind meist auch Ausdruck respekt- und rücksichtslosen Verhaltens, bar jeder Verantwortlichkeit.
Kolumne „Wort zum Sonntag“, Haimo L. Handl, 6. 5. 2012
Wir leben in eigenartigen Zeiten. Einerseits intensiviert sich die Empörungskultur politisch und kulturell, andererseits beklagen wir ein politisches Desinteresse. Einerseits finden Künstler und Künste zu vordergründigen Politaktionen, andererseits schwelgt die Szene in stereotypen Unterhaltungshäppchen ohne eigene Stimme, ohne eigenes Profil, prefabriziert und leicht konsumierbar. Offensichtlich schließt das Eine das Andere nicht aus.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl, 29. 4. 2012
Die instrumentalisierte Grass-Affäre, die wüsten Beschimpfungen und Verurteilungen des Autors Günter Grass als Antisemiten, Nazi und SS-Mann, weil er in einem Gedicht, einer typischen Gebrauchslyrik, eine Kritik an den bekannten Kriegsplänen Israels gegen den Iran äußerte, belegt eine tiefe Malaise im “Westen”, die herrschende Doppelmoral und den Terror der selbstgerechten “Tugendhaften”.
Kolumne “Wort zum Sonntag”, Haimo L. Handl, 22.4.2012
Transparenz wirkt gegenwärtig wie ein Zauberwort. Doch hinter seiner Magie lauert auch eine Anmaßung, ein Anschlag, ein Angriff und Übergriff. Maßlose Transparenz unterminiert nicht nur die Privatsphäre, eine Grundbedingung für Würde, sondern beschädigt auch die Gemeinschaft oder Gesellschaft. Die wohlüberlegte Dosierung macht es aus, doch die wird, bedingt durch instrumentalisierte Kurzsichtigkeit, missachtet.
Kolumne “Wort zum Sonntag” von Haimo L. Handl., 15. 4. 2012